Wenn ich noch den Medienkurs hätte, den es in dieser Form an meiner neuen Schule leider nicht mehr gibt, wäre The Feed ein Spiel, das ich sofort in Klasse 6 und 7 einsetzen würde. Vorgestellt wurde uns das Spiel auf der Didacta. Nach einem eigenen Test kann ich sagen: Die Begeisterung ist geblieben. Genau deshalb möchte ich das Spiel euch heute einmal vorstellen.
Das ist The Feed
The Feed (hier) ist ein Mobile Game ab etwa 12 Jahren, das sich mit der Rolle von Algorithmen in sozialen Medien und deren Auswirkungen auf unser Online-Verhalten auseinandersetzt. Das Game kann kostenlos als App für Android oder iPad heruntergeladen werden und bietet neben dem Spiel eine kostenfreie Handreichung für Lehrkräfte (hier) sowie ein Arbeitsheft für Schüler:innen (hier).
Die Spieler:innen übernehmen dabei eine ungewohnte Perspektive: Sie sind nicht die Nutzenden, sondern arbeiten als Praktikant:innen in einem Social-Media-Unternehmen. Ihre Aufgabe ist es, zu entscheiden, welche Inhalte einzelnen Personen angezeigt werden – mit dem klaren Ziel, diese möglichst lange online zu halten.

Dazu bekommt man verschiedene Posts vorgeschlagen und muss schnell verstehen, wie „die Person tickt“: Interessiert sie sich zum Beispiel für Hunde und mag keine Katzen, sollte man entsprechend auswählen. Nur wenn man hier gut agiert, bleibt die Aktivität hoch.
Vier Geschichten, ein System
Im Spiel begleitet man vier unterschiedliche Charaktere: die Klimaaktivistin Elif, die Sängerin Mila, den Gaming-Streamer Leo und einen anonymen Fan-Account. Alle vier sind über ein gemeinsames Ereignis miteinander verbunden, das sich im Verlauf der Kapitel nach und nach erschließt.

Die einzelnen Spielabschnitte dauern jeweils nur etwa 5 bis 10 Minuten und lassen sich dadurch sehr gut in einen Unterrichtskontext einbauen. Man kann das Spiel problemlos in einer Doppelstunde bearbeiten oder auf mehrere Einzelstunden aufteilen.
Mein Eindruck
Was mich beim Ausprobieren wirklich überrascht hat: wie schnell die Zeit vergeht. Man hat pro Runde nur ein kurzes Zeitfenster von etwa fünf Minuten, um zu entscheiden, welche Posts eine Person im Feed zu sehen bekommt – und das ist deutlich schwieriger, als es zunächst klingt.
Man muss genau darauf achten, welche Inhalte man auswählt, und gleichzeitig im Hinterkopf behalten, was die Person mag und was nicht. Ich habe gemerkt, wie schnell man anfängt, strategisch zu denken.
Außerdem fand ich bemerkenswert, wie schnell man im Spiel an persönliche Informationen über die Charaktere kommt – etwa Handynummern oder andere sensible Daten – und wie leichtfertig damit umgegangen wird. Das ist definitiv ein Punkt, den man im Unterricht unbedingt aufgreifen sollte.

Fazit
In dem Spiel erlebt man sehr direkt, wie ein Algorithmus funktioniert – und wie leicht man selbst Teil dieses Systems wird.
Genau darin liegt die große Stärke von The Feed: Es macht den Algorithmus erlebbar. Ich entscheide aktiv darüber, was jemand sieht – aber nicht neutral, sondern mit einem klaren Ziel: maximale Aktivität.
Das Spiel zeigt sehr deutlich, dass es in sozialen Medien oft nicht darum geht, was gut oder richtig ist, sondern darum, was uns möglichst lange online hält. Und das ist in meinen Augen das wichtigste Learning.
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